MINIMAL-INVASIVE OPERATIONEN IN DER TIERKLINIK NEANDERTAL

Minimal-invasive Operationen beinhalten chirurgische Eingriffe, die über kleine Einschnitte durch die Haut in eine Körperhöhle (wie etwa der Bauch- oder Brustraum, Gelenke) erfolgen. Die Bilder werden vergrößert auf einem Monitor im OP dargestellt. Spezielle Instrumente sowie eine Kamera werden durch kleine Öffnungen oder Ports eingeführt, um chirurgische Eingriffe ohne längere Schnitte durchzuführen.

Wie funktioniert eine minimal-invasive Operation?

Der Patient wird in Vollnarkose gelegt und für den chirurgischen Eingriff vorbereitet und desinfiziert.

Bein Bauchhöhleneingriffen wird eine spezielle Nadel (Veress) duch die Bauchdecke gestochen und der Bauchraum wird mit medizinischem CO2 aufgedehnt (Insufflation). Dies erlaubt ein sichereres Platzieren weiterer Instrumente sowie eine einfachere Manipulation der inneren Organe. Bei Brusthöhleneingriffen ist eine Insufflation nicht erforderlich , bei der Arthroskopie wird sterile Kochsalzlösung anstatt Luft verwendet. Nach der Aufdehnung werden 2-3 weitere Zugänge geschaffen. Diese sogenannten Ports sind kleine Schnitte von ca. 5mm Länge, in die Arbeitskanäle eingesetzt werden, über die die Kamera und spezielle Instrumente in die Körperhöhle eingeführt werden. Spezielle Instrumente sind z. B. Greifzangen, Klemmen, Biopsiezangen, elektrochirurgische Verödungsinstrumente. Am Ende des Eingriffes werden die Öffnungen routinemäßig vernäht und der Patient kann sich erholen.


Kann bei meinem Tier minimal-invasiv operiert werden?

Wie bei jedem chirurgischen Eingriff sollten Sie die Notwendigkeit der Operation mit Ihrem Chirurgen besprechen. In einigen Fällen kann der Eingriff komplett minimal-invasiv erfolgen. In anderen Fällen ist ein zusätzlicher etwas größerer Schnitt erforderlich, um den Eingriff zu ermöglichen (laparoskopisch-assistierte Operation). Eine letztere Einsatzmöglichkeit der minimal-invasiven Chirurgie ist die Beurteilung der inneren Organe vor einer invasiveren Operation. D. h. Der Eingriff beginnt zunächst als minimal-invasiv (z. B. Darstellung eines Lebertumors zur Beurteilung, ob er chirurgisch entfernbar ist oder nicht) und wird dann in einer „offenen“ Form mit weiter Eröffnung der Bauchhöhle fortgeführt.

Häufiger durchgeführte minimal-invasive Eingriffe sind Kastrationen und sogenannte Gastropexien. Bei größeren Hunderassen (Dobermann, Doggen, Schäferhunde etc.), die ein höheres Risiko einer Magendrehung haben, empfiehlt es sich, eine prophylaktische Fixierung des Magens (Gastropexie) durchführen zu lassen, um einer Magendrehung vorzubeugen.


Warum minimalinvasiv?

Ähnlich wie in der Humanmedizin wird auch in der Tiermedizin die Schlüssellochtechnik immer häufiger angewandt. Die Patienten fühlen sich deutlich wohler mitg den kleinen Einschnitten als mit großen Wunden. Ein weiterer Vorteil ist die ausgezeichnete Darstellung der Organe über den vergrößerten Kamerablick. Zu guter Letzt können einige Eingriffe deutlich schneller durchgeführt werden, da die Zeit für das Öffnen und den Verschluss durch die kleinen Wunden deutlich verkürzt wird.


Wie groß muss mein Tier für den Eingriff sein?

Idealerweise sollen die Tiere mehr als 10kg Körpergewicht haben, um ein einfacheres Legen der Ports und Instrumente zu gewährleisten. Jedoch sind die Eingriffe auch bei kleineren Tieren möglich.

Sprechen Sie mit unseren  Chirurgen, um zu entscheiden, welche Eingriffsart passend ist.


Muss mein Tier stationär in der Klinik bleiben?

Dies ist abhängig vom Eingriff; die meisten Patienten können am nächsten Tag nach Hause. Kastrationen und Gastropexien benötigen meist keinen stationären Aufenthalt und die Tiere können am selben Tag nach Hause. 


Wie sieht die Nachsorge nach dem Eingriff aus?

Auch hier ist dies abhängig vom Eingriff. Die Zielsetzung ist jedoch eine deutlich schnellere Erholung und weniger postoperativer Schmerz als bei einem offenen Eingriff.

Trotzdem sollten die kleinen Schnitte bis zur Abheilung  nach 10-12 Tagen sauber und trocken gehalten werden. Meist sollten die Tiere  einen Halskragen tragen, um Belecken der Wunde zu verhindern. Zusätzlich sollte der Patient bis zur Abheilen der Wunde ruhig gehalten werden (kein Rennen/Spielen).


Was ist der Unterschied zwischen einer Ovariektomie (OE) und einer Ovariohysterektomie (OHE)?

OE ist die Entfernung beider Eierstöcke während die OHE die Entfernung der Eierstöcke und der Gebärmutter beinhaltet. Die alleinige Entfernung beider Eierstöcke per Laparoskopie ist schneller und weniger invasiv, da es weit kleinere Öffnungen in die Bauchhöhle bedarf als bei der Entfernung der Eierstöcke und des Uterus.  Es besteht kein erhöhtes Risiko einer Gebärmutterentzündung, wenn die Gebärmutter belassen wird und nur die Eierstöcke entfernt werden. Beide Techniken bewirken eine Unfruchtbarkeit der Hündin.


Was sind die Risiken und Nachteile einer minimal-invasiven Operation?

Beim Setzen der Nadel oder der Instrumente besteht das größte Risiko in der Gefahr einer Verletzung eines inneren Organs. Aufgrund ihrer Lage ist die Milz dahingehend am meisten gefährdet und es kann dadurch zu Blutungen kommen. In den meisten Fällen kann diese Blutung durch einfachen Druck auf die blutende Stelle gestoppt werden. In seltenen Fällen ist jedoch ein Umschwenken auf einen offenen Eingriff erforderlich, falls die Blutung nicht zum Stillstand kommt.

Da die Bauchhöhle bei der Laparoskopie zur besseren Visualisierung mit Gas gefüllt werden muss bzw. bei einer Thorakoskopie (Brustkorbspiegelung) die Lungen kollabieren müssen, sind Narkose-Komplikationen oder Herz-Kreislaufprobleme möglich. Die Patienten werden während des Eingriffs aufwändig überwacht und beatmet, um diesen Komplikationen vorzubeugen.

In seltenen Fällen kann das CO2 unter die Haut wandern und dem Patienten ein „aufgepufftes“ Aussehen verleihen. Dies verschwindet jedoch nach einigen Tagen von selbst.

Einige minimal-invasive Operationen können etwas kostenintensiver ausfallen, da ein höherer apparativer Aufwand sowie eine gewisse Erfahrung des Chirurgen vorhanden sein muss. Jedoch können Kosten durch einen gegebenenfalls verkürzten stationären Aufenthalt wiederum eingespart werden.




Minimal-invasive Eingriffe in der Tierklinik Neandertal

  • Laparoskopie: Operationen mit einer Kamera in der Bauchhöhle (z. B. Leberbiopsien, Kastrationen)
  • Laparoskopie-assistierte Operationen: Eingriffe mit einer Kamera und Zugängen, bei denen etwas größere Schnitte erforderlich sind (2-4cm), um eine vollständige Eröffnung des Bauchraumes zu vermeiden (z. B. Ovariohysterektomien oder Gastropexien)
  • Thorakoskopie:  Eingriffe im Brustkörb über eine Kamera (z. B. Lungenbiopsien, Perikardfenestrierung).
  • Arthroskopie: Operationen in bestimmten Gelenken über eine Kamera (z. B. Meniskusoperationen oder Bizepssehenoperationen)
  • Leberbiopsien
  • prophylaktische Gastropexie ( Festnähen des Magens in der Bauchwand, um ein Drehen des Magens zu verhindern)
  • Ovariektomie (OE) (Entfernung der Eierstöcke)
  • Ovariohysterektomie (OHE) (Entfernung des Uterus und der Eierstöcke, benötigt größere Schnitte und eine etwas längere Operationszeit als die OE)
  • Kryptorchidektomie (Entfernung von im Bauchraum liegenden Hoden)
  • Pankreasbiopsien
  • Darmbiospien
  • Explorative Laparoskopie (zur Beurteilung/Untersuchung der Bauchorgane mit ggf. Biospieentnahmen)
  • Explorative Thorakoskopie (zur Beurteilung/Untersuchung der Brustorgane mit ggf. Biospieentnahmen)
  • Arthroskopie (Knie, Schulter, Ellenbogen)
  • Herzbeutelfenestrierung/Entfernung (bei Herzbeutelergüssen)

Für weitere Informationen wenden Sie sich an das chirurgisches Team der Tierklinik Neandertal.